Textanalyse mit CATMA unterrichten

Eckdaten der Unterrichtseinheit

  • Thema der Sitzung: Digitale Analyse der Schuldproblematik und ihrer Darstellung in Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser (1995)
  • Klassenstufe: Sekundarstufe II
  • Phasen: Brainstorming zum Thema Schuld, Einführung in die Arbeit mit dem Textanalysetool CATMA, Wortsuche via Analyze-Modul, Visualisierung der Suchergebnisse, textnahe Analyse des semantischen Umfelds, Präsentation und Diskussion der Arbeitsergebnisse
  • Sozialform(en): Lehrvortrag, Teamarbeit und Vortrag
  • Medien/Materialien: Der Vorleser in digitaler Form, stabile Internetverbindung, die Schüler*innen arbeiten in Zweierteams an einem PC (2:1), für die Einstiegsphase benötigen Sie einen mit dem Beamer verbundenen Laptop
  • Dauer der Unterrichtseinheit: 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad des Tools: einfach/mittel

Fachliche Lernziele:

  • Aufbau literarischer Kompetenz: Die Schüler*innen lernen, in dem Beispieltext enthaltene Dimensionen von Schuld zu verhandeln. Sie erlernen einen analytischen Umgang mit anspruchsvollen Texten und arbeiten an den Fähigkeiten, Texte selbstständig zu erschließen, eigenständig Interpretationshypothesen zu entwickeln und diese zu diskutieren.
  • Aufbau von Methodenkompetenz: Die Schüler*innen lernen CATMA als Werkzeug zur Textanalyse und -erschließung kennen, das sich über den Literaturunterricht hinaus auf weitere Fachgebiete übertragen lässt.

KMK-Lernziele:

  • Suchen, Verarbeiten, Aufbewahren: Arbeits- und Suchinteressen festlegen, Suchstrategien in CATMA nutzen, relevante Suchergebnisse identifizieren und zusammenführen, Textdaten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten.
  • Entwickeln und Produzieren: CATMA als technisches Bearbeitungswerkzeug kennenlernen und computergestützt Visualisierungen produzieren, die die Ergebnisse der Textanalyse beinhalten.
  • Problemlösen und Handeln: Bedarfsgerechter Einsatz des Textanalyetools CATMA (Analyze-Modul als Möglichkeit der quantitativen Textanalyse).
  • Analysieren und Reflektieren: CATMA als Werkzeug der quantitativen und qualitativen Textanalyse kennenlernen und sich kritisch mit den Grenzen von Ein-Wort-Analysen auseinandersetzen.

Bausteine

  • Verlaufsraster des Lehrmoduls
    Aus welchen Phasen setzt sich die Unterrichtseinheit zusammen? Dem Verlaufsplan entnehmen Sie Inhalte und Schwerpunkte.
  • Anwendungsbeispiel
    Sie möchten mit Ihrer Lerngruppe die Schuldproblematik in Schlinks Roman untersuchen und textinterne Darstellungsweisen mit den individuellen Assoziationen der Lerngruppe zum Thema Schuld diskutieren und vergleichen? Leiten Sie Ihre Klasse dazu an, mit dem Textanalysetool CATMA bestimmte bedeutungstragende Begriffe, deren Häufigkeit und Semantik zu annotieren und genauer zu untersuchen.
  • Verlauf der Unterrichtseinheit(en)
    Wie sieht die konkrete Ausgestaltung der Phasen aus und welche Arbeitsschritte werden vorgenommen? Erfahren Sie, wie die Unterrichtseinheit strukturiert ist und welche Beispielaufgaben Sie Ihren Schüler*innen stellen können
  • Lösungen zu den Beispielaufgaben
    Hat die Lerngruppe die Beispielaufgaben richtig gelöst? Hier finden Sie Antworten.

Verlaufraster des Lehrmoduls

Phase Impulse des/der Lehrenden Erwartete Aktivität der Lernenden Sozialform Medien / Materialien
Vorab und Einstieg
(ca. 5 Min.)
Vorab: Einarbeitung in CATMA und Erstellen des Projekts; Einstieg: Schüler*innen in das gemeinsame Projekt einladen CATMA-Tutorials durchlaufen, Projekt betreten Einzelarbeit Laptop, CATMA, Internetverbindung, digitale Version von Der Vorleser
Problematisierung
(ca. 10 Min.)
Leiten des Brainstormings zum Thema Schuld Sammeln von Assoziationen an der Tafel Diskussion im Plenum PCs (2:1), CATMA-Zugang, Tafel, Smartboard, Internetverbindung
Erarbeitung
(ca. 30 Min.)
Aufgaben vorstellen, Fragen beantworten, ggf. durch die einzelnen Arbeitsschritte führen Lösen der Aufgaben Teamarbeit PCs (2:1), CATMA-Zugang, Internetverbindung
Sicherung
(ca. 25. Min.)
Durch die Fragen leiten Vorstellung der Analyseergebnisse Diskussion im Plenum keine
Reflexion & Transfer
(ca. 20 Min.)
Diskussionsleitung
Vergleich von Mindmap und Analyseergebnissen
Kritische Reflexion der statistischen Auswertung literarischer Texte Diskussion im Plenum keine
Download des Verlaufsrasters als PDF-Datei
Download des vollständigen Verlaufsrasters als PDF-Datei

1. Anwendungsbeispiel

Die hier skizzierte Unterrichtsstunde lässt sich an beliebiger Stelle einer Unterrichtseinheit eingliedern, in der Analyse und Interpretation von Berhard Schlinks Roman Der Vorleser im Vordergrund stehen. Sie setzen das Textanalysetool → CATMA (kurz für Computer Assisted Text Markup and Analysis) ein, um digitale Verfahren der Textanalyse auszuprobieren und die inhaltliche Erschließung des Romans mit dem Aufbau digitaler Methodenkompetenz zu verbinden. Der Vorleser wird hier als exemplarisches Beispiel eines im schulischen Curriculum verankerten Werks der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur herangezogen, die sich mit Mitteln und Folgen des Holocausts auseinandersetzt.1 Dieser Text ist via Internet Archive uneingeschränkt verfügbar.2 Das hier skizzierte Verfahren lässt sich darüber hinaus auch auf andere Werke übertragen.

2. Verlauf der Unterrichtseinheiten

2.1 Vorarbeiten und Einstieg

Die Unterrichtsstunde richtet sich an eine Lerngruppe mit grundlegenden Englischkenntnissen, da das Tool über ein englischsprachiges Interface verfügt. Die Stunde verfolgt – neben den oben genannten Lernzielen – drei zentrale Zielsetzungen.
(1) Auf einer übergeordneten Ebene und die gesamte Unterrichtseinheit betreffend sollen die Schüler*innen durch die Auseinandersetzung mit dem Roman für einen kritischen und reflektierten Umgang mit den Mitteln und Folgen des Holocausts sensibilisiert werden und Formen der literarischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus kennenlernen.
(2) Zentrales Thema des Romans ist – neben der Inbezugsetzung von Erotik, dem Analphabetismus, der „Coming-of-Age”-Thematik, der Verarbeitung nationalsozialistischer Vergangenheit und dem Affekt der Scham (vgl. Hehl 2015, 471) – Schuld in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die Auseinandersetzung mit Schuld umfasst mehrere Dimensionen: die historisch-moralische Schuld als eine von einer an die nächste Generation weitergegebene Schuld (Beziehung zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration im Rahmen der 68er Bewegung, Beziehung zu Hanna, Beziehung zum Vater und generell zu Eltern, den „[...] Tätern, den Zu- und Wegsehern, Tolerierern und Akzeptierern” (Der Vorleser, 126)) und deren Relativierung. Die Frage nach Täter*innen und Opfern und was sie dazu macht wird in den drei Etappen des Romans – vorrangig aber im zweiten und dritten Teil – verhandelt. Die Auseinandersetzung mit der juristisch-strafrechtlichen Schuld (und Hannas Übernahme der Hauptschuld) sowie die Reflexion über Gerechtigkeit dominieren v. a. den zweiten Teil des Romans, der die Wiederbegegnung beider Figuren im Zuge der Frankfurter Auschwitzprozesse, die Konfrontation mit Hannas Analphabetismus und Hannas Verurteilung zu 20 Jahren Haft thematisiert. Die Unterrichtsstunde zielt darauf ab, die unterschiedlichen Darstellungsweisen von Schuld im Roman zu erforschen und mit den Weltanschauungen und Vorstellungen der Schüler*innen zu vergleichen.
(3) Auf methodischer Ebene lernen die Schüler*innen eine Form der digitalen Textuntersuchung als systematische und übertragbare Form der Textanalyse kennen. Ein Mehrwert entsteht durch die digitale Textanalyse mit CATMA, indem der Text gezielt hinsichtlich des Stundenthemas ausgewertet wird und Arbeitsergebnisse visualisiert und als Diskussionsgrundlage herangezogen werden. Auf Grundlage des Romantextes erstellen die Schüler*innen eigene Visualisierungen, die ihre Interpretationen widerspiegeln. Der Text wird zunächst aus der Ferne (um einen allgemeinen Überblick zu gewinnen) und dann genauer in seinen speziellen Beziehungen betrachtet. Die Schüler*innen nehmen die Rolle von Forscher*innen ein, die zunächst gemeinsam Untersuchungskriterien festlegen, den Untersuchungsgegenstand mithilfe des Tools in seine einzelnen Bestandteile zerlegen – in diesem Fall die einzelnen Wörter –, diese genau betrachten und daraus Analyseergebnisse und Interpretationshypothesen ableiten.

Zur eigenen methodischen Vorbereitung lesen Sie den Tooleintrag → CATMA. Darüber hinaus sollten Sie die beiden Lerneinheiten → Manuelle Annotation mit CATMA und → Analyse und Visualisierung mit CATMA absolvieren. Um einen Überblick über den Aufbau und die Funktionen von CATMA zu gewinnen, schauen Sie das Tutorial-Video → Annotation mit CATMA. Die geführte Tour durch das Interface des Tools wird Ihnen dabei helfen, sich zurechtzufinden. Zwei weitere Tutorials zeigen Ihnen, wie Sie mit CATMA → manuelle Annotationen anbringen können und wie Sie eigene → Projekte anlegen können. Nachdem Sie beide Lerneinheiten durchgearbeitet und die Tutorial-Videos angesehen haben, verfügen Sie über einen eigenen CATMA-Account und kennen die grundlegenden Funktionen des Tools. Vorbereitend setzen Sie die folgenden drei Schritte um:

1) Laden Sie den Text Der Vorleser hier als PDF-Dokument herunter.

2) Loggen Sie sich bei CATMA ein und erstellen über den „CREATE NEW PROJECT”-Button das neue Projekt „Bernhard Schlink: Der Vorleser (1995)”. Nachdem Sie das Projekt per Doppelklick auf die graue Schaltfläche betreten haben, fügen Sie per „Add Document” (zu finden hinter dem „+”–Symbol) die zuvor heruntergeladene Datei hinzu.

3) Nun erstellen Sie ein Tagset zum Thema Schuld, indem Sie in dem Tagset-Panel – erneut via Klick auf „+” – auf „Add Tagset” klicken. Nennen Sie das Tagset „Schuldproblematik” und fügen anschließend mindestens die Tags „moralische Schuld” und „juristische Schuld” hinzu. Um Raum für weitere Formen von Schuld zu lassen, die sich nicht ad hoc einer der bereits erstellten Kategorien zuordnen lassen, legen Sie darüber hinaus den Tag „Ungewiss” an.

Das für die Unterrichtsstunde angelegte Projekt ist nun fertig. Alle weiteren Arbeitsschritte werden im Rahmen des Unterrichts zusammen mit Ihren Schüler*innen durchgeführt. Zur inhaltlichen Vorbereitung sollten Sie natürlich in erster Linie den Roman gelesen haben. Textanalysen, Hintergrundinformationen und Interpretationsansätze finden Sie z. B. bei Corngold, Gansel und Herrmann, Hehl, Knobloch oder Tommek.3 Darüber hinaus sollten Sie für sich die Frage beantworten, welche Begriffe Sie mit „Schuld” assoziieren. Die Schüler*innen bereiten sich videobasiert auf die Unterrichtsstunde vor, indem Sie einen kommentierten Rundgang durch CATMAs einzelne Bestandteile und Funktionen anschauen und sich über einen Klick auf den „Sign In”-Button einen eigenen CATMA-Account anlegen.

2.2 Einstieg und Problematisierung

Um einem nahtlosen Übergang in die Textanalyse mit CATMA Vorschub zu leisten, bereiten Sie noch vor dem eigentlichen Stundeneinstieg – dem gemeinsamen Brainstorming – die Erarbeitungsphase mit CATMA vor. Auf diese Weise kann das System die Zeit während der Diskussionsphase nutzen, um die gesamte Klasse dem Projekt zuzuordnen. Hierfür leiten Sie Ihre Schüler*innen dazu an, sich mit ihrem vorab angelegten Account bei CATMA einzuloggen und auf den „JOIN PROJECT”-Button zu klicken. Zeitgleich öffnen Sie das vorab angelegte Bernhard Schlink-Projekt und klicken in der Team-Kachel auf das kleine Symbol mit den drei Punkten. Hier wählen Sie den „Invite someone to the Project”- Button, setzen ein Häkchen vor „Create one collection per Document and joined user” sowie ein Häkchen vor „Name”, legen die Rolle „Student” fest und bestätigen Ihre Auswahl per Mausklick auf „Invite”. Den nun generierten „invitation code” geben Ihre Schüler*innen ein, um Zugriff auf das vorbereitete Projekt zu erhalten. Die technischen Vorbereitungen sind nun abgeschlossen. Der gemeinsame thematische Einstieg in die Unterrichtsstunde wird in Form eines Brainstormings zum Thema Schuld umgesetzt. Die Schüler*innen tragen ihre Ideen in dieser Phase der Stunde zunächst unkommentiert an der Tafel oder am Smartboard zusammen. Sichern Sie die Ergebnisse, indem Sie die Mindmap speichern oder abfotografieren.

Frage an das Plenum:
Was bedeutet Schuld für Sie und welche Assoziationen haben Sie zu diesem Thema?

Fordern Sie abschließend einige Stellungnahmen ein und fassen das Brainstorming kurz zusammen. Es sollte deutlich werden, dass der Begriff Schuld in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet wird und Ihre Schüler*innen, aller Wahrscheinlichkeit nach, ganz individuelle Erfahrungen mit Schuld gemacht haben. Mögliche Formen von Schuld sind z. B. Schuld im Zusammenhang mit Vorwurf und Anklage (v. a. im Zusammenhang der Debatte über gesellschaftliche und politische Missstände und deren Urheber*innen), Schuld als Tat und Verstoß gegen moralische oder gesetzlich geregelte Grundsätze, Folgen von Schuld z. B. in Form eines schlechten Gewissens und die mit Schuld in Verbindung stehenden negativen Gefühle sowie Schuld im finanziellen Sinn, als Form der abbezahlbaren Schuld, die eine konkrete Form der Wiedergutmachung beinhaltet. Leiten Sie nun in die nächste Phase des Unterrichts über: Ihre Schüler*innen sollen untersuchen, welche Bedeutung Schuld in Der Vorleser zukommt, ob ihre Konzepte und Ideen sich im Roman wiederfinden oder ob die Mindmap durch im Roman dargestellte Formen erweitert werden kann.

2.3 Erarbeitung

Nun beginnt die Erarbeitungsphase mit CATMA. Leiten Sie Ihre Schüler*innen dazu an, das Bernhard Schlink-Projekt zu betreten und per einfachem Mausklick im Resources-Panel auf „Bernhard Schlink – Der Vorleser” den Text auszuwählen. Mit Klick auf die Analyze-Schaltfläche links gelangen sie in das entsprechende CATMA-Modul. Von dort aus startet die Textanalyse in Teamarbeit. Auf Grundlage der zu Hause erfolgten Vorbereitung im Umgang mit CATMA sollen die folgenden fünf Aufgaben gelöst werden:

Aufgabe 1:
Wie häufig kommt der Begriff „Schuld” im gesamten Roman vor? Nutzen Sie den Query-Builder, um den Text auszuwerten.

Aufgabe 2:
Erstellen Sie einen Verteilungsgraphen, in dem die Verteilung des Begriffs „Schuld” im gesamten Roman visualisiert wird. In welchem Teil des Romans kommt er besonders häufig vor?

Aufgabe 3:
Zerlegen Sie den Text in seine Einzelteile, indem Sie eine Worthäufigkeitsliste generieren. Klicken Sie auf das „Wordcloud”-Symbol und erstellen eine Wortwolke, in der diejenigen Wörter enthalten sind, die Ihrer Meinung nach mit Schuld in Verbindung stehen (s. Mindmap). Exportieren Sie die Wordcloud.

Während Ihre Schüler*innen diese Aufgabe lösen, halten Sie sich im Hintergrund und stehen beratend zur Seite, sobald Fragen auftreten. Sollte es technische Probleme bei der Umsetzung der Aufgaben geben, können Sie einen exemplarischen Durchlauf – vom Betreten des Analyze-Moduls, von hier aus zur Wortliste und weiter bis zur Wordcloud – für die gesamte Lerngruppe vorstellen, indem Sie Ihren Laptop mit dem Beamer verbinden und die besagten Schritte exemplarisch durchgehen.

Aufgabe 4:
Lassen Sie sich die gefundenen Wortvorkommnisse in der KWIC-Ansicht anzeigen. Um welche Formen von Schuld handelt es sich bei den gefundenen Suchergebnissen? Annotieren Sie die Wortvorkommnisse mithilfe des Tagsets „Schuldproblematik” und ergänzen es – falls nötig – um weitere Tags.

An dieser Stelle kann es gut sein, dass Ihre Schüler*innen weitere Formen von Schuld im Text erkennen, die nicht in dem jetzigen Tagset enthalten sind. Führen Sie exemplarisch vor, wie sich während des Annotierens ein neuer Tag hinzufügen lässt (Klick auf den „+”-Button im rechts vom Text liegenden Tagsetbereich und Klick auf die „Add Tag”-Schaltfläche) und motivieren Ihre Schüler*innen dazu, eigene Tags zu entwerfen.

2.4 Sicherung

Die Sicherung besteht in diesem Fall in der mündlichen Diskussion der exportierten Arbeitsergebnisse und in der gemeinsamen Besprechung der Annotationen sowie neu erstellter Tags. Während die erste Aufgabe schnell beantwortet werden kann, bedarf die Diskussion der übrigen Aufgaben mehr Zeit. Nicht alle Teams werden in der Unterrichtsstunde ihre Arbeitsergebnisse vorstellen können. Drei bis vier Gruppen sollten aber mindestens präsentieren. Fordern Sie darüber hinaus auch eine methodische Reflexion ein und fragen nach Grenzen der digitalen Analysemethode.

2.5 Transfer & Reflexion

Im letzten Teil der Stunde sollen die Schüler*innen abschließend diskutieren, ob ihre eigenen Assoziationen zum Thema der Stunde und die aus dem Text herausgearbeiteten Zusammenhänge übereinstimmen oder nicht. Übertragen Sie hierfür zunächst das von Ihnen angelegte CATMA-Projekt auf den Beamer und gehen Sie einige der Schuld-Annotationen durch. Fordern Sie Ihre Schüler*innen dazu auf, die zuvor gesammelten Gedanken und die in der Analyse herausgearbeiteten Aspekte miteinander in Beziehung zu setzen: Welche Annotationen stimmen überein und wo werden Differenzen sichtbar? Darüber hinaus können Mindmap und Wordclouds (s. Abb. 1) gegenübergestellt werden.

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3. Lösungen zu den Beispielaufgaben

Um Ihnen einen Unterricht zu ermöglichen, in dem Ihre Schüler*innen die Aufgaben selbstständig erarbeiten, stellen wir die Lösungsvorschläge nur Lehrenden zur Verfügung. Schreiben Sie uns daher einfach eine kurze Mail an info@fortext.net unter Angabe der Unterrichtseinheit, die Sie unterrichten wollen, und wir lassen Ihnen unsere Lösungsvorschläge zukommen.

 

  • 1. Einer inhaltlichen Klassifikation folgend, wird der Roman auch als Werk der Nachkriegsliteratur bezeichnet (vgl. Feuchert und Hofmann 2017). I. d. R. fasst ein enger zeitlicher Rahmen unter dem Begriff der Nachkriegsliteratur all diejenigen Werke, die in den unmittelbaren Nachkriegsjahren bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten entstand zuzüglich drei bis vier weiterer Jahre, die oft als „Ende der Nachkriegszeit” oder „Literatur nach 1989” benannt werden. Die Debatte darüber, welche Werke zu welchem Genre und welcher Epoche zählen, soll an dieser Stelle nicht aufgegriffen werden. Wichtig ist, sich für eine Klassifikation zu entscheiden und die Entscheidung auch für die Schüler*innen transparent zu machen, damit ein Epochen- und Überblickswissen ausgebaut werden kann. Für detaillierte Ausführungen zur Begriffsbestimmung vgl. Gansel und Hermann 2013.
  • 2. Das Internet Archive ist eine US-amerikanische digitale Datenbank. Seit 2007 hat das auf die Langzeitarchivierung digitaler Daten abzielende Archiv den Status einer offiziellen Bibliothek inne. Im Textarchiv werden gemeinfrei gewordene Werke zum Herunterladen zur Verfügung gestellt.
  • 3. Corngold, Stanley (1999): „,Fürsorge beim Vorlesen’: Bernhard Schlink’s Novel ,Der Vorleser’”. In: Dieter Borchmeyer (Hrsg.): Signaturen der Gegenwartsliteratur. Festschrift für Walter Hinderer. Würzburg: Königshausen & Neumann, 247–257.
    Gansel, Carsten und Elisabeth Herrmann (2013): „,,Gegenwart’ bedeutet die Zeitspanne einer Generation’ – Anmerkungen zum Versuch, Gegenwartsliteratur zu bestimmen”. In: Carsten Gansel und Hermann Korte (Hrsg.): Entwicklungen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nach 1989. Deutschsprachige Gegenwartsliteratur und Medien DGM 10. Göttingen: V&R, 7–23.
    Hehl, Michael Peter (2015): „Schlink, Bernhard: Der Vorleser. Roman (Zürich: Diogenes)”. In: Heribert Tommek, Matteo Galli und Achim Geisenhanslüke (Hrsg.): Wendejahr 1995. Transformation der deutschsprachigen Literatur. Berlin, Boston: De Gruyter, 470–475.
    Knobloch, Hans-Jörg (2001): „Eine ungewöhnliche Variante in der Täter-Opfer-Literatur: Bernhard Schlinks Der Vorleser.” In: Gerhard Fischer und David Roberts (Hrsg.): Schreiben nach der Wende. Ein Jahrzehnt deutscher Literatur 1989–1999. Tübingen: Stauffenburg, 89–98.
    Tommek, Heribert (2015): „Der lange Weg in die Gegenwartsliteratur. Studien zur Geschichte des literarischen Feldes in Deutschland von 1960 bis 2000." In: Norbert Bachleitner, Christan Begemann, Walter Erhart und Gangolf Hübinger (Hrsg.): Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, Band 140. Berlin, Boston: De Gruyter.