Textvisualisierung mit Voyant unterrichten

Eckdaten der Unterrichtseinheit

  • Thema der Sitzung: Themen und Motive in Gedichten von der Klassik bis zur Gegenwart – ein digitaler Einstieg in die Analyse von Gedichten
  • Klassenstufe: Sekundarstufe II, Literaturunterricht im Fach Deutsch
  • Phasen: Einführung in die Methodik der quantitativen Textanalyse anhand einer Wordcloud zu Friedrich Schillers Ballade Die Bürgschaft (1798) und kritische Diskussion der Visualisierung; Einführung in die Arbeit mit dem Textanalysetool Voyant (Lehrvortrag und Präsentation eines Tutorials über Funktionen von Voyant); Organisation der Partnerarbeit; Präsentation und Diskussion der Ergebnisse im Plenum
  • Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit: Interpretation lyrischer Texte, Einstieg in Unterrichtseinheit zur Lyrikanalyse, Distant Reading mit repräsentativen Gedichten von der Klassik bis zur Gegenwart
  • Sozialformen: Vortrag, Diskussion im Plenum, Partnerarbeit
  • Medien/Materialien: Lernende sollten max. zu zweit an einem PC arbeiten, Lehrende benötigen einen Laptop und Beamer
  • Dauer des Lehrmoduls: 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad des Tools: einfach

Fachliche Lernziele:

  • Sprachliche Handlungsfähigkeit: Ergebnispräsentation in Form strukturierter Vorträge, Reflexion über Sprache, indem sprachliche Einheiten und inhaltliche Schwerpunkte lyrischer Texte zunächst mit Voyant herausgefiltert und isoliert betrachtet und anschließend in Nahsicht detailliert sowie kontextsensitiv untersucht werden
  • Auseinandersetzung mit Texten und Medien: Auseinandersetzung mit literarischen Texten in digitaler Form, Texterschließung hier als analytische quantitative Korpusanalyse und „Blick von oben” auf repräsentative, poetische Texte
  • Aufbau von Methodenkompetenz: Kennen und Anwenden des Textanalystools Voyant, Auswertung von Grafiken und statistischen Daten, kritische Reflexion der Ergebnisse, Erstellen von Interpretationshypothesen
  • Aufbau von Orientierungswissen: Die Schüler*innen lernen erste Besonderheiten der Gattung Lyrik aus der Zeit der Klassik bis zum beginnenden 20. Jhd. kennen

KMK-Lernziele:

  • Suchen und Verarbeiten (Auswerten und Bewerten): Daten analysieren, auswerten, interpretieren und kritisch bewerten
  • Produzieren und Präsentieren: Nutzung von Voyant als technisches Bearbeitungswerkzeug zur Textvisualisierung; Erkennen der Bedeutung von Urheberrecht und geistigem Eigentum literarischer Texte
  • Problemlösen und Handeln: Bedarfsgerechter Einsatz von Voyant als Werkzeug zur Textanalyse; Erkennen und Formulieren der algorithmischen Struktur von Voyant
  • Analysieren und Reflektieren: Nutzung und kritische Bewertung von Voyant als Gestaltungsmittel, Verstehen und Reflektieren der Medien in der digitalen Welt; Erkennen und Bewerten der Chancen und Risiken des Gebrauchs von Distant-Reading-Verfahren

Bausteine

  • Verlaufsraster des Lehrmoduls
    Aus welchen Phasen setzt sich die Unterrichtsstunde zusammen? Dem Verlaufsplan entnehmen Sie Inhalte und Schwerpunkte.
  • Anwendungsbeispiel
    Anhand welcher Texte führen Sie in die digitale Analyse von Gedichten ein? Leiten Sie die Lerngruppe dazu an, mit einem Textanalysetool eine literarische Großform digital zu untersuchen.
  • Verlauf der Unterrichtseinheit(en)
    Wie sieht die konkrete Ausgestaltung der Phasen aus und welche Arbeitsschritte werden vorgenommen?
  • Lösungen zu den Beispielaufgaben
    Hat die Lerngruppe die Beispielaufgaben richtig gelöst? Hier finden Sie Antworten.

Verlaufraster des Lehrmoduls

Phase Impulse des/der Lehrenden Erwartete Aktivität der Lernenden Sozialform Medien / Materialien
Vorab und Einstieg
(ca. 10 Minuten)
Präsentation der Wordcloud und Leitung der Diskussion Interpretation der Wordcloud, Abgleich mit eigenen Lektüreerfahrungen  Diskussion im Plenum Beamer/Smart­board, Laptop, PowerPoint- Präsentation Voyant 
Problematisierung
(ca. 15 Minuten)
Impuls: Wie werden Wordclouds erstellt? Hinleitung zum Paradigma Distant Reading, Vortrag und Videopräsentation Mutmaßungen/Erklärungen über die Zusammensetzung Diskussion im Plenum, Lehrvortrag Beamer/Smart­board, Laptop, PowerPoint-Präsentation Voyant 
Erarbeitung
(ca. 40 Minuten)
Gruppeneinteilung, technische Fragen beantworten, Koordination der Toolauswahl, um Überschneidungen zu vermeiden Lösen der Aufgaben auf dem Arbeitsblatt „Literatur digital erforschen”, Vorbereitung eines Kurzvortrags, in dem ein Tool aus der Voyant-Toolsuite und die Ergebnisse der Korpusanalyse vorgestellt werden Partnerarbeit Arbeitsbogen „Arbeitsblatt_Voyant”, PC-Ausstattung 1:2, Beamer, Laptop
Sicherung
(ca. 20 Minuten)
Leitung Ergebnisvergleich, Sammlung an der Tafel: Welche Aussagen werden über das Korpus gemacht? Vorstellung der Ergebnisse Vortrag, Diskussion im Plenum Smartboard, Tafel oder Whiteboard 
Reflexion & Transfer
(Hausaufgabe oder Folgestunde)
Überleitung zum Close Reading Lesen unterschiedlicher Gedichte Einzelarbeit Gedicht aus Korpus in ausgedruckter Form
Download des Verlaufsrasters als PDF-Datei
Download des vollständigen Verlaufsrasters als PDF-Datei

1. Anwendungsbeispiel

Die hier skizzierte Doppelstunde ist die erste Stunde einer Unterrichtseinheit in der Sekundarstufe II zum Thema Lyrikanalyse, die einen festen Bestandteil des schulischen Kerncurriculums für das Fach Deutsch darstellt. 

Im Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe für das Fach Deutsch ist die Auseinandersetzung mit Werken von Autor*innen, die epochemachend waren, vorgesehen. Neben dem Aufbau von Orientierungswissen über Werk und Wirken kanonisierter Autor*innen sollen in der Oberstufe anhand unterschiedlicher Textgattungen fachspezifische Kompetenzen aufgebaut werden. Als verbindliche Referenztexte, anhand derer die Interpretation literarischer Texte der Gattung Lyrik unterrichtet werden können, werden repräsentative Gedichte von der Klassik bis zur Gegenwart angeführt. An diese Rahmenbedingungen knüpft die Konzeption der Unterrichtsstunde „Themen und Motive in Gedichten von der Klassik bis zur Gegenwart – Ein digitaler Einstieg in die Analyse von Gedichten” an.

Im Hintergrund der Voyant-Tools stehen zwei Ansätze: Distant Reading und → Textvisualisierung. Distant-Reading-Verfahren eignen sich sowohl für die Exploration großer Textmengen (z. B. das gesamte Œuvre von Autor*innen) als auch für die Analyse vergleichsweise kleiner Textmengen (wie einzelner Werke). Im Kern geht es um die statistische Auswertung – d. h. die quantitative Analyse – von Textdaten.

Textvisualisierung ist ein Teilbereich der Informationsvisualisierung. Diese befasst sich mit der visuellen Repräsentation komplexer Texte und der Anpassung dieser Darstellungsformen durch interaktive Softwares wie → Voyant. Beide Methoden werden in diesem Fall eingesetzt, um ein aus 40 Gedichten bestehendes Lyrikkorpus zu explorieren und Hypothesen über Besonderheiten und häufig vorkommende Themen in lyrischen Texten zu bilden. 1Die einzelnen und individuell auswählbaren Voyant-Tools visualisieren die Ergebnisse dieser quantitativen Textanalyse auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Essentiell ist also nicht nur ein sicherer Umgang mit dem Tool unter Einbezug unterschiedlicher Funktionalitäten, sondern v. a. auch die kritische Auswertung der Grafiken und die Ableitung von Interpretationshypothesen.

Bei der Arbeit mit Voyant im Schulunterricht sollten immer Fragestellungen ausgewählt werden, die selbstständig bearbeitet und beantwortet werden können. Hierzu zählen z. B. Fragen nach übergeordneten Textinhalten (wie Themen und Motiven), der Entwicklung einer Figur und Personenbeziehungen oder der sprachlichen Gestaltung. Ein Mehrwert für Ihren Literaturunterricht entsteht dann, wenn auf Grundlage der statistischen Auswertung Muster erkennbar werden und Interpretationshypothesen gebildet werden können. Hierbei gilt: Die Ergebnisse einer rein quantitativen Abfrage reichen nicht aus, um stichhaltige Aussagen über die Konzeption lyrischer Texte zu machen. Sie eignen sich aber, um die Aufmerksamkeit auf bestimmte Textphänomene zu lenken, das Interesse für Besonderheiten lyrischer Texte zu wecken, den kritischen Umgang mit der Auswertung statistischer Erhebungen zu üben, eine Methode des Distant Readings kennenzulernen und v. a. um ausgehend von der Entdeckung eines auffälligen und interessanten Textphänomens in die tiefergehende Interpretation und Analyse von Gedichten einzusteigen.

Der Zeitraum, aus dem die Werke in diesem Lehrmodul stammen, umfasst – abgeleitet aus dem Hamburger Lehrplan für Gymnasien – die Jahre von 1786 bis zur Gegenwart. Eine Aufschlüsselung der Zusammensetzung des Lyrikkorpus und das gesamte für die Unterrichtseinheit benötigte Korpus als TXT-Datei finden Sie hier und am Ende des Lehrmoduls (Material: Zusammensetzung_Lyrikkorpus und Lyrikkorpus_Voyant). Die Stunde zielt darauf ab, mittels einer quantitativen Textanalyse und Textvisualisierung einen spielerischen und epochenübergreifenden Überblick über Themen, Motive und Schreibweisen der Lyrik der letzten Jahrhunderte zu gegeben.

Für die erste Auseinandersetzung mit der digitalen Methode der quantitativen Textvisualisierung untersuchen Sie in der Einstiegsstunde zunächst ein mittelgroßes Textkorpus aus 40 Gedichten mithilfe von Voyant, die aus unterschiedlichen Anthologien ausgewählt wurden. Bei der Zusammensetzung des Textkorpus, das Sie am Ende der Seite herunterladen können, haben wir darauf geachtet, dass Autor*innen der enthaltenen Texte mehr als 70 Jahre verstorben sind. Dadurch gelten ihre Texte als gemeinfrei. Ist dies der Fall, können die Texte problemlos unter Wahrung des Urheberrechts für Ihren digital unterstützten Schulunterricht verwendet werden. Im Rahmen einer kurzen Einführung, in der Sie das Korpus und die Methode vorstellen (siehe Material Präsentation_Voyant), weisen Sie auf diesen Aspekt hin, damit sich auch die Schüler*innen über die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen bewusst sind, die es bei jeglicher Form der digitalen Arbeit mit literarischen Texten zu bedenken gilt. 

Wenn Sie in Ihrem Unterricht ein eigens zusammengestelltes Korpus verwendet möchten, z. B. zu einer anderen Gattung, sollten Sie die folgenden Aspekte beachten:

  • Um ein möglichst repräsentatives und für die quantitative Textanalyse geeignetes Textkorpus zu schaffen – also eine gute Stichprobe auszuwählen –, gelten dieselben Rahmenbedingungen wie in der Statistik: Die Ausgangsbedingungen entscheiden maßgeblich über die Aussagekraft des Ergebnisses. Wird schon bei der Auswahl eine Verzerrung eingeführt, schlägt sich das im Ergebnis nieder. Hierfür sollten Sie Ihre Schüler*innen sensibilisieren, wofür sich z. B. eine fachübergreifende Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen aus der Mathematik umsetzen ließe. 
  • Einer Verzerrung der Daten (in der Statistik als systematische Fehler oder auch Bias bekannt) lässt sich u. a. durch eine zufällig gewählte Stichprobe entgegenwirken. Dennoch repräsentiert die Stichprobe nicht die Gesamtheit der Lyrik von der Klassik bis zur Moderne. Hierfür wäre ein deutlich größeres Textkorpus notwendig, das sich z. B. im Rahmen einer größer angelegten Projektarbeit erstellen und untersuchen ließe. 
  • Um weitere Verzerrungen zu vermeiden, sollten Sie bei der Korpuserstellung stets auf eine ausgewogene Verteilung zwischen Gedichten, die aus weiblicher Feder stammen, und solchen, die von Männern verfasst wurden, achten. Um eine ausgewogene Datengrundlage zu schaffen, sollten Sie darüber hinaus darauf achten, dass der jeweilige Einzeltextumfang nicht zu stark vom durchschnittlichen Umfang aller Texte abweicht.

2. Verlauf der Unterrichtseinheiten

2.1 Vorarbeiten

Bevor Sie Voyant in Ihrem Fachunterricht einsetzten, sollten Sie die grundlegenden Funktionalitäten kennen und beherrschen. Hierfür empfiehlt es sich, den → Voyant-Tooleintrag zu lesen und im Anschluss die → Voyant-Lerneinheit Schritt für Schritt durchzuführen. Um vertiefendes Fachwissen über die Möglichkeiten der → Textvisualisierung aufzubauen, nutzen Sie den entsprechenden Methodeneintrag. 

Das beschriebene Lernszenario ist für Schüler*innen der Sekundarstufe II bestimmt, da die Benutzeroberfläche und v. a. das Voyant-Handbuch, welches Informationen über die Funktionen der unterschiedlichen Tools beinhaltet, nur englischsprachig zur Verfügung steht. Die Unterrichtseinheit richtet sich also an eine Lerngruppe, die auf Englischkenntnisse zurückgreifen kann.

Bevor Sie die Stunde eröffnen, ist es sinnvoll, das Textkorpus „Lyrikkorpus_Voyant” (im TXT-Format) zentral auf dem Schulserver zu hinterlegen, sodass die Schüler*innen von ihrem Computer aus darauf zugreifen und es in Voyant hochladen können. Die Unterrichtsstunde sollte im Computerlabor durchgeführt werden. Sofern Sie über eine entsprechende Ausstattung an Laptops und auch in Ihrem Klassenraum über eine stabile WLAN-Verbindung verfügen, können Sie die Stunde natürlich auch hier durchführen. An einem Computer sollten nicht mehr als zwei Personen arbeiten, damit möglichst jedes Gruppenmitglied Arbeitsschritte mit Voyant umsetzen kann.

Ihre Schüler*innen sollten vorbereitend den ZEIT-Artikel „Distant Reading: Weltliteratur gescannt” von Steffen Martus gelesen und als Hausaufgabe eine Definition von Distant Reading ausgearbeitet haben. Hieran knüpfen Sie in der Einstiegsphase der Unterrichtsstunde an. Um den Artikel herunterladen zu können und ihn an Ihre Schüler*innen verteilen zu können, bedarf es einer kostenfreien Anmeldung bei ZEITonline. Sofern Sie den Artikel an die gesamte Lerngruppe verteilen möchten, ohne sich anzumelden, senden wir Ihnen den Artikel zusammen mit den Musterlösungen zu.

2.2 Einstieg und Problematisierung

Ein visueller Impuls eignet sich, um die Motivation der Schüler*innen für ein Thema zu wecken und um abstrakte Unterrichtsgegenstände zu veranschaulichen. Das gilt nicht nur für die Naturwissenschaften, wo Grafiken und Schaubilder beinahe allgegenwärtig sind, sondern auch für den Literaturunterricht. Gerade die sprachliche Besonderheit literarischer Texte macht es für Schüler*innen nicht selten schwierig, in den Texten „verborgene” abstrakte Inhalte – wie Informationen über den Inhalt oder nur implizit vermittelte Bedeutung – zu erkennen. Eine Visualisierung der Texte kann dabei helfen, in einem ersten Schritt das Augenmerk auf die Besonderheiten eines Textes zu richten, die sich in einem zweiten Schritt näher untersuchen lassen. 

Für den geplanten Einstieg eignet sich ein Text, der den Schüler*innen – z. B. aus einer bereits abgeschlossenen Unterrichtseinheit – schon bekannt ist. In diesem Lehrmodul verwenden wir eine Wordcloud von Friedrich Schillers Ballade Die Bürgschaft (siehe Abb. 1 und in der „Präsentation_Voyant” enthalten).

Textvisualisierung mit Voyant Wordcloud zu Schillers Bürgschaft
Wordcloud zu Friedrich Schillers Die Bürgschaft (1799)

Nutzen Sie das bestehende Wissen der Lerngruppe (Wissen über Inhalt und Konzeption der Ballade) und beziehen es auf den neuen Unterrichtsgegenstand (Textvisualisierung). Im Kern geht es darum, deutlich zu machen, dass Distant Reading ein Paradigma von Analyseverfahren bezeichnet, mit denen große Mengen an Textdaten ausgewertet werden, ohne dass der Text vorher gelesen wurde. Im Rahmen der Einführung überprüft die Lerngruppe die Zuverlässigkeit dieses Ansatzes.

Leiten Sie nun eine Diskussion über die Visualisierung an, indem Sie die Schüler*innen Hypothesen über die Bedeutung der Visualisierung anstellen lassen und darüber diskutieren, ob die eigenen Lektüreerfahrungen sich mit der Wordcloud in Verbindung bringen lassen oder nicht. Hierbei sollte außerdem das aus dem Artikel erschlossene Wissen über den Distant Reading-Ansatz in die Diskussion einbezogen werden. Außerdem sollte deutlich werden, dass die Wordcloud nur ein mögliches Ergebnis darstellt, hinter dem eine quantitative Auswertung des Textes steht. Leiten Sie die Schüler*innen außerdem dazu an, die Visualisierung auch kritisch zu bewerten. Hier ist schließlich ein lyrischer Text, der zuvor in minutiöser Kleinarbeit analysiert und interpretiert wurde, in einzelne Teile zerlegt worden. Die ästhetische Wirkung, die sich beim Lesen der Ballade entfalten kann, geht hier verloren.

Mögliche Leitfragen und Impulse (Folie 3) – neben der Aufforderung zur Beschreibung der Wordcloud – sind:

  • Wie könnte die Wordcloud entstanden sein?
  • Beschreiben Sie, inwieweit Wordcloud und eigene Lektüreerfahrungen zueinander passen.
  • Gibt es ein nicht-digitales Verfahren, um eine Wordcloud zu entwerfen?

Von der Vorstellung und Diskussion über eine hier exemplarisch vorgestellte Form der Textvisualisierung leiten Sie nun durch einen kurzen Impulsvortrag über zu der konkreten Umsetzung dieser Methode.

In einem kurzen Lehrvortrag bereiten Sie die Schüler*innen auf die nächste Unterrichtsphase vor. Der Vortrag beinhaltet eine kurze Vorstellung des Lyrikkorpus (Folie Nr. 4) und der Vorstellung von Voyant. Hierfür spielen Sie das Voyant-Video vor (Folie Nr. 5), um die Lerngruppe mit den grundlegenden Funktionen von Voyant vertraut zu machen.

2.3 Erarbeitung

Anschließend teilen Sie die gesamte Schulklasse in Zweiergruppen ein und verteilen das Arbeitsblatt (Material: Arbeitsblatt_Voyant), dessen Bearbeitung mit zentralen Funktionen von Voyant vertraut macht. Das Arbeitsblatt ist so konzipiert, dass zunächst die grundlegenden Funktionalitäten des Textanalysetools vermittelt werden und die Schüler*innen mit den Standardeinstellungen arbeiten. Weisen Sie Ihre Schüler*innen darauf hin, die Lösungen schriftlich in Stichworten festzuhalten, damit sich die Ergebnisse in einem späteren Teil der Stunde noch vergleichen und diskutieren lassen. Während die Schüler*innen die Aufgaben bearbeiten, nehmen Sie eine zurückhaltende Position ein. Interpretationshypothesen sollten eigenständig entwickelt werden, während bei technischen Problemen oder Fragestellungen Ihre Expertise gefragt ist.

2.4 Sicherung

In der Sicherungsphase stellen einige Zweiergruppen ihre Textanalyselandschaft und ihre Interpretationshypothesen vor (Aufgabe 6). Hierbei werden die zentralen Interpretationshypothesen von der nicht vortragenden Person an der Tafel, dem Smart- oder Whiteboard festgehalten. Der Vortrag sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Bei einer geschätzten Klassengröße von 20 Schüler*innen werden nicht alle Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren können. Lassen Sie also drei bis vier Gruppen ausführlich vortragen und leiten dann die Frage nach weiteren, noch nicht genannten Interpretationshypothesen an das Plenum weiter und ergänzen das Tafelbild um neue Vorschläge.

2.5 Transfer & Reflexion

In der letzten Phase geht es darum, die erstellten Visualisierungen und die daraus abgeleiteten Interpretationen mit den tatsächlichen Lektüreerfahrungen in Verbindung zu setzen. Die Interpretationshypothesen sollen nun durch die tatsächliche Lektüre der Gedichte überprüft werden. Teilen Sie hierzu an jede Gruppe ein Gedicht aus (Material: Material_Close Reading) aus und lassen dieses in Ruhe lesen. Sollte die Zeit nicht mehr ausreichen, können Sie die folgenden Aufgaben als Hausaufgabe formulieren:

  • In welchen Gedichten kommen die Most Frequent Words „o” (33), „leben” (24), „gott” (23) und „ach” vor?
  • Auf welche Art und Weise lassen sich die von dir vorgestellte Visualisierung und das gelesene Gedicht in Beziehung zueinander setzen?
  • Wie verändert sich die Wahrnehmung der Texte, wenn du sie liest?

Einige der Gedichte sind kürzer als andere. Achten Sie bei der Verteilung der Gedichte also darauf, dass einige Gruppen ggf. zwei Gedichte erhalten. Besprechen Sie in der nächsten Stunde gemeinsam die Beispielaufgaben, ob die Interpretationshypothesen standhalten oder nicht. Im Unterrichtsgespräch sollten außerdem die  Grenzen der quantitativen Textanalyse thematisiert werden. Für die die Interpretation der Textvisualisierungen gilt: Es stehen weder der Lesegenuss noch die durch die Gedichte vermittelte ästhetische Wirkung im Vordergrund. Wenn Sie die Lektüreerfahrungen der Schüler*innen besprechen, sollten deutlich werden, dass es sich bei Distant- und Close-Reading-Verfahren um zwei völlig unterschiedliche Paradigmen handelt. Ersteres nähert sich der Interpretation lyrischer Texte durch eine vornehmlich quantitative Auswertung. Aspekte der ästhetischen Wirkung und zahlreiche gattungstypische Textmerkmale wie z. B. die Versstruktur – welche im Korpus ja entfernt wurde – spielt bei diesem Ansatz keine Rolle. Bei der genauen Lektüre der Gedichte sollte aber deutlich werden, dass die Art und Weise der Rezeption nicht zuletzt durch das Versmaß bestimmt wird. Der Blick „von oben“ auf die Textmenge vermag Motive und Themen zu verdeutlichen, die in lyrischen Texten epochenübergreifend vorkommen. Daraus lassen sich durchaus erste Interpretationshypothesen ableiten. Die Frage danach, welche Textmerkmale und -strukturen dazu führen, dass z. B. Die Bürgschaft bei Leser*innen ein Gefühl der Rührung entstehen lässt oder auf welche Art und Weise das Versmaß die Rezeption lyrischer Texte beeinflusst sollten im Anschluss thematisiert werden.

3. Lösungen zu den Beispielaufgaben

Um Ihnen einen Unterricht zu ermöglichen, in dem Ihre Schüler*innen die Aufgaben selbstständig erarbeiten, stellen wir die Lösungsvorschläge nur Lehrenden zur Verfügung. Schreiben Sie uns daher einfach eine kurze Mail an info@fortext.net unter Angabe des Lehrmoduls, das Sie unterrichten wollen, und wir lassen Ihnen unsere Lösungsvorschläge und bei Bedarf den Artikel „Distant Reading: Weltliteratur gescannt" schnellstmöglich zukommen.

  • 1. Um das Textkorpus zu erstellen, wurden u. a. die folgenden Anthologien konsultiert: Bode, Dietrich (2018): Deutsche Gedichte. Eine Anthologie. Stuttgart: Reclam. Detering, Heinrich (2007): Reclams grosses Buch der deutschen Gedichte. Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Stuttgart: Reclam. Gnüg, Hiltrud, Renate Möhrmann (1999): Frauen Literatur Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Stuttgart/Weimar: Metzler. Hahn, Ulla (2008): Stechäpfel. Gedichte von Frauen aus drei Jahrtausenden. Stuttgart: Reclam.