Katharsis

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2. September 2019

1. Kurzbeschreibung

Katharsis ist ein webbasiertes Werkzeug bzw. eine Ressource für die quantitative Dramenanalyse von mehr als 100 deutschsprachigen Dramen. Die Ergebnisse der Analyse werden als interaktive Webschnittstelle dargestellt. Darüber hinaus stehen zwölf Dramen Gotthold Ephraim Lessings für eine → Sentimentanalyse zur Verfügung.

Quantitative Dramenanalyse und Sentimentanalyse mit Katharsis
Abb. 1: Die Startseite von Katharsis

Steckbrief

  • http://lauchblatt.github.io/QuantitativeDramenanalyseDH2015/index.html 
  • Werkzeug zur quantitativen Dramenanalyse (→ TextGrid Repository) von 177 deutschsprachigen Dramen (Burghardt et al. 2016) und Sentimentanalyse ausgewählter Dramen Gotthold Ephraim Lessings (vgl. Schmidt 2017)
  • Beinahe ausschließlich kanonisierte Dramen (Schauspiele, Trauerspiele oder Komödien) aus dem Zeitraum zwischen den Jahren 1646 bis 1838 mit einem Schwerpunkt auf Veröffentlichungen aus dem Jahr 1755
  • Individuelle Auswahl eines oder mehrerer Dramen für die Einzelanalyse oder vergleichende Analysen
  • Quantitative Parameter der Einzelanalysen: Anzahl der Akte und Figuren, Konfigurationsdichte (Populationsdichte innerhalb des Dramas), Berechnung der Häufigkeitsverteilung zu Repliken und Replikenlänge; Darstellung der Ergebnisse u. a. als interaktive Figurenkonfigurationsmatrix
  • Parameter der Sentimentanalyse: Berechnung der Sentiments im gesamten Drama (Sentiment-Metriken: Polarität oder Emotionen); einbezogene Emotionen: Zorn, Erwartung, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit, Überraschung und Vertrauen; interaktive Kreisdiagramme zu: Sentiment-Anteil im Drama, Sentiment-Anteile pro Akt, Sentiment-Anteile pro Szene; interaktive Verlaufsdiagramme zu Sentiment im Drama pro Akt, Sentiment in Szene pro Akt, Szenen im Dramenverlauf, Repliken
  • Methodische Tradition und theoretischer Hintergrund: Quantitative Methoden in Literatur- und Kulturwissenschaft, Distant Reading (Moretti 2013), Dramen als frühe Belege einer mathematischen Poetik (Marcus 1973)
  • Metadaten: Titel, Autor*in, Genre, Datum der Erstveröffentlichung, Redeanteile

2. Anwendungsbeispiel

Sie möchten Konfigurationen in Lady Johanna Gray (1757) von Christoph Martin Wieland untersuchen und anschließend mit weiteren Dramen aus dem 18. Jahrhundert vergleichen.

3. Diskussion

3.1 Kann ich Katharsis für wissenschaftliche Arbeiten nutzen?

Ja, erste Fallstudien wurden erfolgreich durchgeführt (vgl. Dennerlein 2015). 

3.2 Wie benutzerfreundlich ist die Arbeit mit Katharsis?

Der übersichtliche und strukturierte Aufbau der Webseite ermöglicht einen unmittelbaren und unkomplizierten Einstieg in die quantitative Dramenanalyse, gleichzeitig werden zitierbare Analyseergebnisse in ansprechend aufbereiteter Form präsentiert: Durch die Verbindung aus Medieninformatik und Literaturwissenschaft entsteht hier ein großer Mehrwert. Zusätzlich hilft der „Info”-Button bei der Bedienung von Katharsis. Er ist allerdings nur auf der Startseite vorhanden (siehe Abb. 1). Es steht kein Handbuch zur Verfügung. Zu den einzelnen Parametern der quantitativen Dramenanalyse finden Sie unter „overview” eine kurze Einführung, die bei der Interpretation der Visualisierungen hilfreich ist. Eine Erläuterung der durch die Sentimentanalyse entstehenden Daten bzw. Angaben zur Grundlage der Berechnungen fehlen. Sentiment- und Dramenanalyse sind auf das vorgegebene Korpus beschränkt. Die Analyseergebnisse können Sie als PNG-Datei herunterladen.

4. Wie funktioniert die Textsuche in Katharsis?

Katharsis funktioniert zuverlässig, ist ausschließlich online verfügbar und lässt sich mit jedem Browser verwenden. Die integrierte Sentimentanalyse-Funktion befindet sich zum jetzigen Zeitpunkt in der Beta-Version.

Grundsätzlich gilt: Sie können entweder eine Einzelanalyse eines Dramas aus dem Korpus durchführen oder mehrere Dramen vergleichend analysieren lassen. Sie beginnen die quantitative Dramenanalyse, indem Sie die gewünschten Dramen in die Suchmaske eingeben oder indem Sie über den „Search”-Button aus einer Liste des gesamten Korpus diejenigen Dramen markieren, die Sie in eine vergleichende Analyse inkludieren möchten. In der Voreinstellung sind alle 117 Dramen markiert. Entfernen Sie das Häkchen in der ersten Reihe der Übersicht, um diese Vorauswahl zu deaktivieren und eine eigene Auswahl zu treffen.

Durch einen Klick auf „Analyze entire collection of plays” bestätigen Sie Ihre Auswahl und starten die Analyse. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte der theoretische Hintergrund berücksichtigt werden: Die mathematische Dramenanalyse basiert im Kern auf der Berechnung von Figurenkonstellationen (Konfigurationen). Die Konfigurationsmatrix stellt das Auftreten aller Figuren in sämtlichen Szenen zusammenfassend dar (siehe Abb. 2).

Die mit Katharsis erstellte Konfogurationsmatrix von Wielands Drams Lady Johanna Gray.
Abb. 2: Im Rahmen einer Einzelanalyse erstellte Konfigurationsmatrix von Christoph Martin Wielands Lady Johanna Gray 

Detaillierte Angaben finden Sie, indem Sie innerhalb der Konfigurationsmatrix mit dem Cursor über die jeweiligen Figuren hovern (siehe Abb. 3).

Ressource Katharsis: Detailansicht der Konfigurationsmatrix
Abb. 3: Detailansicht der Konfigurationsmatrix: Analyse der Redeanteile Lady Johanna Grays

Über die Menüleiste navigieren Sie in weitere Analysemodi: Configuration matrix, Structural analysis (siehe Abb. 4), Speaker analysis (siehe Abb. 5), Distribution of speech oder Sentiment Analysis.

Ressource und Tool zugleich: Ergebnis der mit Katharsis durchgeführten Strukturanalyse
Abb. 4: Strukturanalyse von Wielands Lady Johanna Gray: Gesamtüberblick sowie Analyse aller Szenen und Akte
Analyse von Redeanteilen in Dramen mit Katharsis
Abb. 5: Vergleichende Quantitative Analyse der drei Dramen im Korpus, die von Frauen verfasst wurden: Kurvendiagramm der Redeanteile

5. Nachweise und weiterführende Literatur

  • Burghardt, Manuel, Katrin Dennerlein, Thomas Schmidt, Johanna Mühlenfeld und Christian Wolff (2016): „Katharsis – Ein Werkzeug für die quantitative Dramenanalyse. CLARIN-D Forum CA3, 7.–8. Juni 2016, Hamburg” URL: https://dhregensburg.wordpress.com/2016/06/06/katharsis-ein-werkzeug-fuer-die-quantitative-dramenanalyse/ [Zugriff: 26. August 2019].
  • Dennerlein, Katrin (2015): „Measuring the average population densities of plays. A case study of Andreas Gryphius, Christian Weise and Gotthold Ephraim Lessing”. In: Semicerchio. Rivista di poesia comparata LIII, 80–88.
  • Marcus, Solomon (1973): Mathematische Poetik. Frankfurt am Main: Athenäum.
  • Schmidt, Thomas (2017): „Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch – Der Einsatz von Sentiment Analysis in der quantitativen Dramenanalyse.” Masterarbeit im Fach Medieninformatik am Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur, Universität Regensburg.