Bibliotheca Augustana

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29. April 2019

1. Kurzbeschreibung

Die Bibliotheca Augustana umfasst 15 verschiedene Fachbibliotheken, in denen Leben, Werke und Sekundärliteratur von insgesamt über 1000 Autor*innen – mit hohem ebenso wie eher niedrigem Kanonisierungsgrad – vorgestellt werden. Neben ausgewählten deutschsprachigen Texten und Übersetzungen ins Deutsche werden Ihnen lateinische, griechische, englische, französische, italienische und spanische Texte zur Verfügung gestellt.

Bibliotheca Augustana: Interface
Abb. 1: Die Startseite der Bibliotheca Augustana

Steckbrief

  • https://www.hs-augsburg.de/~harsch/augustana.html
  • im Jahr 1996 von Prof. em. Ulrich Harsch (Lehrgebiet: Kommunikationsdesign und Elektronisches Publizieren im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule Augsburg) gegründetes digitales Langzeitarchiv, als Privatprojekt bis heute weitergeführt
  • 12 verschiedensprachige Bibliotheken mit jeweils unterschiedlichen Sammelschwerpunkten
  • weitere Bestandteile der Bibliothek: Archiv digitalisierter Kunstwerke (Museum virtuale), Musikarchiv (Obeion virtuale), Filmarchiv (Cinematheca Virtualis)
  • Aufteilung der Bibliotheca Germanica: althochdeutsche (23 Texte) und altniederdeutsche Literatur (5 Texte), mittelhochdeutsche (36 Texte) und mittelniederdeutsche Literatur (13 Texte), frühneuhochdeutsche (83 Texte) und frühneuniederdeutsche Literatur (17 Texte), neuhochdeutsche (295 Texte) und neuniederdeutsche Literatur (20 Texte)
  • Texte der Bibliotheca Germanica entstammen dem 8. bis 20./21. Jhd., zahlenmäßig überlegen sind Texte aus der Zeit zwischen dem 17. und dem 21. Jhd.
  • Metadaten der Ressourcen in der Bibliotheca Germanica: Werktitel, Name, Datumsangabe des ersten Erscheinens, Epochenzugehörigkeit
  • Textsorten: fiktionale und nicht-fiktionale Texte, wissenschaftliche Abhandlungen, Epen und Erzählungen, Gedichte, Briefe, Vorträge und weitere Textformen und Dokumente
  • enthält ausschließlich gemeinfreie Texte, die sich auf dem Server der FH Augsburg befinden und direkt auf der Seite eingebettet sind, oder durch eine Verlinkung auf externe Informationsressourcen (z. B. Google Books, Internet Archive oder diverse Online-Bibliotheken, etwa Gallica, Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes oder die Bayerische Staatsbibliothek München) zur Verfügung gestellt werden
  • Herunterladen der Texte nur per copy & paste in ein eigenes Dokument, da keine Downloadfunktion zur Verfügung steht

2. Anwendungsbeispiel

Sie sind auf der Suche nach einer ersten Inspiration für ein Forschungsprojekt und befinden sich noch in der Phase der Ideen- und Themenfindung? Für diese frühe Phase der Projektkonzeption eignet sich die Arbeit mit der Bibliotheca Augustana. Hier finden Sie biographische Angaben, epochale Werke und hilfreiche Verlinkungen zu ausgewählten Autor*innen.

3. Diskussion

3.1 Kann ich die Bibliotheca Augustana für wissenschaftliche Arbeiten nutzen?

Zum Teil, da keine Exportfunktionen für die zur Verfügung gestellten Texte existiert, gestaltet sich die wissenschaftliche Arbeit mit den Texten schwierig. Die Bibliotheca Augustana ist folglich nicht darauf ausgelegt, zitierfähige Primärliteratur für weitere literaturwissenschaftliche (digitale) Arbeitsschritte zur Verfügung zu stellen, sondern lebt als kreativ gestaltete und inhaltlich äußerst vielseitige Literaturdatenbank von der seiteninternen Recherche und Lektüre. Quellenangaben finden Sie auf der jeweiligen Autor*innenseite unter dem Menüpunkt „Quellen, Kolophon”. Die Metadaten sind nicht immer eindeutig oder lückenhaft, gleichzeitig wird nicht immer deutlich, welcher Text welcher Ausgabe entnommen wurde. Grundlage für die hier dargebotenen Texte sind hauptsächlich zitierfähige Printausgaben (Gesamtausgaben oder Gesammelte Werke). Die Texte werden entweder von dem Herausgeber eingescannt oder von privaten Kooperationspartnern eingeschickt, mit einem Editor an das Seitenformat angepasst und Korrektur gelesen (vgl. Hildebrand et al. 2000). Nicht für alle in der Bibliothek aufgelisteten Titel wurden die entsprechenden Texte bereits eingescannt. Die mit Volltexten versehenen Titel erkennen Sie an der blauen Schriftfarbe. Darüber hinaus finden sich v. a. unter der bereitgestellten Sekundärliteratur einige tote Links.

Die Auswahl der Texte basiert u. a. auf dem von Hermann Hesse verfassten Essay Eine Bibliothek der Weltliteratur, in dem der persönliche literarische Kanon des Schriftstellers/Malers/Dichters vorgestellt wird. Die Bibliothek umfasst neben mittelalterlicher Literatur (Titel wie Tristan, Carmina Burana und Das Nibelungenlied können abgerufen werden) und den namhaften Größen des 18. und 19. Jhds. wie Goethe, Schiller und Wieland auch eher unbekannte Namen. Die Integration vergleichsweise unbekannter Autor*innen wie Christine Ebner, Frau Ava oder Hans von Bühel verweisen auf das Bestreben des Herausgebers, eine Plattform für Autor*innen und Werke abseits des Bildungskanons zu gestalten.
Eine hilfreiche Ergänzung stellen die unter „Hilfsmittel” vorgestellten Bibliographien, Lexika, Datenbanken, Digitalisierungsprojekte und weiterführenden Links zu Fachportalen dar, die allen zwölf Bibliotheken zur Seite gestellt werden.

3.2 Wie benutzerfreundlich ist die Arbeit mit der Bibliotheca Augustana?

Die Bibliotheca Augustana vereint durch ihren klaren Aufbau, das auf Latein verfasste Interface und einen z. T. äußerst verschachtelten hierarchischen Aufbau benutzerfreundliche und benutzerunfreundliche Aspekte.

Die klare Struktur der Startseite generiert einen schnellen Überblick über die unterschiedlichen zur Verfügung gestellten Informationsressourcen und erleichtert die Orientierung in den unterschiedlichen Bibliotheken. Benutzerfreundlichkeit wird vor allem durch die übersichtlich gestalteten Einzelansichten der Autor*innenportraits umgesetzt. Die Informationen zu Leben und Werk bereichern die dargebotenen Primärtexte, die dadurch nicht isoliert dastehen, sondern in einen zeithistorischen und biographischen Kontext eingeordnet werden. Besonders anschaulich sind zahlreiche grafische Elemente wie Handschriftenfaksimiles, Bilder der vorgestellten Autor*innen oder Titelblätter älterer Ausgaben.

Als ungewohnt und weniger benutzerfreundlich erweist sich zunächst die vollständig auf Latein verfasste Benutzeroberfläche der Bibliotheca Augustana und das Fehlen einer Navigationsleiste. Texte und Metadaten der unterschiedlichen Bibliotheken sind jedoch in der Originalsprache der jeweiligen Bibliothek verfasst. Je nachdem, in welcher Kategorie Sie sich gerade befinden, wird am oberen und am unteren Bildschirmrand eine individuelle Navigationsleiste eingeblendet.

Eine gewisse Einarbeitungszeit muss berücksichtigt werden, da jede Seite eine Vielzahl an Informationen und weiterführenden Links (auch auf externe Quellen und in seltenen Fällen als Verweis zwischen Autor*innen über die einzelnen Bibliotheken hinweg) beinhaltet.

Bibliotheca Augustana: Ressource für Texte und Informationen über Werke und Autor*innen
Abb. 2: Vorstellung eines Autors (Ödön Horváth) und zugehöriger Ausschnitt der Werkbibliographie in der Bibliotheca Augustana

4. Wie funktioniert die Textsuche in der Bibliotheca Augustana?

In der Bibliotheca Augustana steht Ihnen keine Suchfunktion zur Verfügung. Um zügig Ihren gewünschten Text zu finden, empfiehlt sich die Nutzung der Browsersuchfunktion. Bei der Suche nach Werken und Autor*innen müssen Sie auf die durch die Bibliothek vorgegebene hierarchische Struktur zurückgreifen. Die Ressourcen einer Bibliothek können Sie sich in unterschiedlichen Listen anzeigen lassen: Als alphabetisch geordnetes Autor*innen- und Textregister oder als chronologisch geordnete Liste, die wiederum aus einer alphabetischen Liste der enthaltenen Autor*innen besteht.

Bibliotheca Augustana: Das Korpus beinhaltet 15 digitale Textsammlungen mit unterschiedlichen Sammelschwerpunkten
Abb. 3: Links: Die Anzeigeoptionen unterschiedlicher Bibliotheken; Rechts: Das Interface der chronologisch und alphabetisch geordneten Bibliotheca Germanica

Ein Vorteil der nach Epochen gegliederten Ansicht ist die übersichtliche Darstellung sämtlicher in ein und derselben Zeit wirksamen Schriftsteller*innen. Auf diese Weise werden überschaubare Textkorpora präsentiert, die Sie z. B. für weitere vergleichende Analysen verwenden können. Die alphabetische Liste generiert einen Überblick über sämtliche in der Bibliothek vertretene Autor*innen. Auf diese Weise können Sie trotz fehlender Suchoption zügig herausfinden, ob der/die gesuchte Autor*in in der Bibliothek enthalten ist.

Nachdem Sie sich für eine Listenansicht entschieden haben, gliedert sich der Seiteninhalt in die drei Bereiche Autor*in, Werk und Sekundäres, wobei biographische Angaben (inkl. Bilder), bibliographische Angaben und Sekundärliteratur (u. a. Artikel, Verlinkungen auf Websites, Vorlesungen zu Werk/Autor*in, Liste der Gesamtausgaben) zur Verfügung gestellt werden. Die biographischen Angaben variieren hinsichtlich ihrer Ausführlichkeit. Die Konzeption der Bibliothek lädt zum eigenständigen Erkunden und unvoreingenommenen Sammeln erster Lektüreerfahrungen ein. Das Design der Seiten mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Text und Bild sowie der Verwendung gedeckter Farben machen das Lesen am Bildschirm sehr angenehm.

Die Textressourcen werden entweder auf der Webseite selbst (über den Server der FHS Augsburg) bereitgestellt oder sind über eine gekennzeichnete Weiterleitung (Symbol: >>>), die zu weiteren Textarchiven führt, abrufbar.

Unter dem Menüpunkt „Epistulae electronicae” können Sie per E-Mail mit dem Betreiber der Website Kontakt aufnehmen. Ein Handbuch oder weitere Informationen über Aufbau und Nutzung der Bibliothek stehen nicht zur Verfügung. Der Betreiber reagiert jedoch zügig auf Nachfragen und/oder Anmerkungen.

5. Nachweise und weiterführende Literatur

  • Landeck, Nadine und Susanne Starnes (2000): „Primärliteratur im Internet". In: Alexandra Hildebrandt, Nadine Landeck, Ursula Rautenberg und Susanne Starnes (Hrsg.): Literaturwissenschaft online – offline: Primärliteratur im Internet, elektronische Editionen und Hybrideditionen, Lern- und Literatur-CD-ROMs. Überblick und Sammelrezension, Kap. 2. URL: http://iasl.uni-muenchen.de/discuss/lisforen/erlangen.htm#Kap21 [Zugriff: 21. März 2019].